6 SCHLÜSSELASPEKTE ZUR RICHTIGEN HANDHABUNG UND PFLEGE EINES ZVK 

Ángel Ruiz

In Krankenhäusern gehören zentralvenöse Katheter (ZVK) zu den am häufigsten verwendeten medizinischen Produkten. Dennoch können sie potenzielle Komplikationen mit sich bringen. Um diese zu vermeiden, ist eine korrekte Pflege und Handhabung der Katheter von entscheidender Bedeutung. 

WAS SIE IN DIESEM ARTIKEL FINDEN: 

  • Überwachung der Einstichstelle 
  • Pflege der Einstichstelle 
  • Verbandsmanagement 
  • Handhabung und Pflege der Infusionssysteme und Zubehörteile
  • Reinigung und Durchgängigkeit des Katheters  
  • Katheterwechsel 

Möchten Sie mehr über die richtige Pflege und Handhabung eines zentralen Venenkatheters erfahren? Dann bleiben Sie auf dieser Seite und lesen Sie den vollständigen Artikel. 

Die zentralvenöse Katheterisierung ist ein häufig durchgeführtes Verfahren, das jedoch mit einigen Risiken verbunden ist. Es können mechanische, infektiöse und thrombotische Komplikationen auftreten. 

Mechanische Komplikationen hängen weitgehend von der Erfahrung des Fachpersonals ab und werden in der Regel während der Katheterinsertion erkannt. Infektiöse und thrombotische Komplikationen treten häufig nach der Insertion auf, weshalb die Pflege und Handhabung des Katheters eine entscheidende Rolle spielen. 

Um spätere Komplikationen im Zusammenhang mit dem zentralen Venenkatheter zu vermeiden, werden nun die Empfehlungen und bewährten Praktiken erläutert, die dazu beitragen können, mögliche Gesundheitsrisiken für den Patienten zu reduzieren.

Diese werden in 6 Schlüsselaspekte unterteilt: 

  1. Überwachung der Einstichstelle
  2. Pflege der Einstichstelle
  3. Verbandsmanagement
  4. Handhabung und Pflege der Infusionssysteme und Zubehörteile
  5. Reinigung und Durchgängigkeit des Katheters
  6. Katheterwechsel

1. ÜBERWACHUNG DER EINSTICHSTELLE

Nach der Platzierung des zentralen Venenkatheters (ZVKs) ist es Aufgabe der Pflegekräfte, den Bereich sorgfältig zu überwachen, um mögliche Komplikationen im Zusammenhang mit dem Katheter zu verhindern. Zur Identifizierung potenzieller Risiken sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden: 

  1. Tägliche Überwachung der Einstichstelle des Gefäßkatheters, ohne den Verband zu entfernen, um auf alarmierende Warnzeichen wie Rötung, Schmerzen oder Eiterbildung zu achten.9 
  1. Es sollten keine antibiotischen oder antiseptischen Salben zur Absicherung der Einstichstelle verwendet werden.9 
  1. Zur Beurteilung der Einstichstelle sollte ein steriler, transparenter, semipermeabler Verband verwendet werden.9 
  1. Das Datum der Platzierung und der Verbandwechsel sollte sowohl in der Patientenakte als auch in unmittelbarer Nähe des Verbands vermerkt werden.9 

2. PFLEGE DER EINSTICHSTELLE

Die meisten mit dem Katheter verbundenen Infektionen werden durch eine Besiedelung der Haut verursacht. Aus diesem Grund ist die tägliche Pflege der Einstichstelle des ZVKs von großer Bedeutung. Es ist wichtig, den Bereich trocken, sauber und frei von Verunreinigungen zu halten.2 

Vor der Katheterinsertion und beim Verbandwechsel sollte die Haut mit einem geeigneten Antiseptikum desinfiziert werden.4 

Die am meisten empfohlene Lösung ist eine 2%ige wässrige oder 0,5%ige alkoholische Chlorhexidin-Lösung.4 

3. VERBANDSMANAGEMENT

Verbände spielen eine entscheidende Rolle dabei, den ZVK und die Einführungsstelle sauber und trocken zu halten. Die am häufigsten verwendeten Verbände bestehen aus einer haftenden transparenten Polyurethanfolie. Diese bieten den Vorteil, dass der Zustand der Einstichstelle kontinuierlich überwacht werden kann, um lokale Infektionen, Druckschäden oder andere sichtbare Komplikationen zu erkennen, ohne den Verband wechseln zu müssen.2 

Die Verbände für den zentralen Zugang sollten nicht täglich gewechselt werden, es sei denn, sie sind locker oder verschmutzt. Aktuelle Empfehlungen besagen, dass der Mullverband alle zwei Tage und der transparente, semipermeable Verband alle sieben Tage gewechselt werden sollten, sofern sie nicht verschmutzt oder locker sind.2 

Wenn der Patient stark schwitzt, Blutungen oder Eiter an der Einstichstelle hat, sollte bis zur Lösung des Problems eine Mullbinde verwendet werden.2 

VERMEIDUNG VON MARSI

Um Probleme wie MARSI (Hautläsionen im Zusammenhang mit dem Verband oder Hautkleber) zu vermeiden, ist es wichtig, eine korrekte Technik zur Anbringung und Entfernung des Verbandes zu verwenden: 

  • Vor dem Aufbringen von Klebstoffen die Haut beurteilen und relevante Risikofaktoren dokumentieren. 
  • Die natürlichen Langer-Linien der Haut beachten
  • Das Desinfektionsmittel vollständig trocknen lassen
  • Haare niemals durch Rasur entfernen
  • Die klebende Seite des Verbandes vor dem Aufbringen nicht mit den Händen berühren
  • Den Verband locker auf die Haut aufbringen, niemals straffziehen
  • Die Verwendung eines Hautschutzmittels wird empfohlen. 
  • Nach dem Aufbringen des Verbandes leicht Druck und Wärme ausüben
  • Die Durchlässigkeit des Verbandes und seine Flexibilität für den Komfort des Patienten überprüfen
  • Die Verbände in einem geringen Winkel und sanft in Haarwuchsrichtung entfernen
  • Den Zustand der Wundversorgung und die Beurteilung immer dokumentieren

4. HANDHABUNG UND PFLEGE DER INFUSIONSSYSTEME UND ZUBEHÖRTEILE

Um Infektionen und mögliche Komplikationen im Zusammenhang mit dem zentralen Venenkatheter zu vermeiden, ist es ebenfalls wichtig, auf das Infusionssystem und das dazugehörige Zubehör zu achten. Hierbei sollten folgende Maßnahmen beachtet werden: 

  • Vor dem Umgang mit Kathetern, Verbindungen, Dreiwegehähnen und nadelfreien Konnektiossystemen (NFK) sollten die Hände hygienisch gewaschen werden, und es sollten saubere Handschuhe verwendet werden.8 
  • Die Verwendung von möglichst wenigen Dreiwegehähnen und das Schützen freier Anschlüsse mit entsprechenden Verschlüssen ist ratsam.8 
  • Für die Verwendung eines NFK sollte nur ein einziger Anschluss des Dreiwegehahns verwendet werden, über den Bolusgaben und intermittierende Lösungen verabreicht werden. Dieser Anschluss sollte zuvor entweder mit einem alkoholgetränkten Verschluss geschützt oder die Einstichstelle für 30 Sekunden mit einer alkoholischen Lösung desinfiziert werden.8 
  • Verbindungen sollten immer dann gewechselt werden, wenn sie sichtbar verschmutzt sind oder es zu unbeabsichtigten Trennungen gekommen ist.8 
  • Die Wechselzeit des Infusionssystems sollte im Tropfsystem deutlich markiert sein
  • Bei jedem Katheterwechsel sollten auch alle Infusionsgeräte, Verlängerungen und sonstiges Zubehör gewechselt werden.8 
  • Die Infusion von lipidhaltigen Lösungen sollte innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Infusion abgeschlossen sein.8 
  • Eine spezielle Leitung für die parenterale Ernährung sollte ausgewählt und dafür bestimmt werden.8 
  • Die Produkte für die parenterale Ernährung und andere lipidhaltige Emulsionen sollten alle 12-24 Stunden gewechselt werden.8 

REINIGUNG UND DURCHGÄNGIGKEIT DES KATHETERS 

Die Erhaltung der Durchgängigkeit des Katheters ist bei allen Arten von Venenkathetern von entscheidender Bedeutung und wahrscheinlich der wichtigste Faktor bei der Vermeidung von Produktfehlfunktionen und zur Vermeidung von Okklusionen

Die Okklusion des Katheters kann verschiedene Ursachen haben, darunter thrombotische, medikamentenbezogene oder durch Ablagerungen der parenteralen Ernährung verursachte Okklusion. Thrombotische Okklusionen entstehen durch ein Blutgerinnsel im Katheterlumen oder einen Thrombus an der Katheterspitze. Ablagerungen können sich aus einer Mischung von Medikamenten mit extremem pH-Wert, Calciumphosphatkristallen oder Fettablagerungen bilden.5 

Das Spülen und Verschließen der Lumina des Katheters sollte gemäß den krankenhausinternen Richtlinien erfolgen. Allgemein wird empfohlen, bei zentralen Venenkathetern die Push-Pause-Spültechnik anzuwenden, bei der in kleinen Mengen (1 ml pro Spülung) gespült wird. Durch die Aufrechterhaltung eines positiven Drucks entsteht eine turbulente Strömung im Katheterlumen, die dazu beiträgt, Partikel von der Katheterwand zu entfernen.6 

Für das Spülen des zentralen Venenkatheters sollten 10 ml-Spritzen verwendet werden, um einen zu hohen Druck zu vermeiden, der den Katheter beschädigen könnte.6 

In Bezug auf die verwendete Lösung gibt es bei zentralen Venenkathetern bei Erwachsenen nur geringe Unterschiede zwischen der Verwendung von Heparin oder isotonischer Kochsalzlösung. Heparin hat eine geringere Rate an Okklusionen gezeigt, jedoch ist die Evidenzlage begrenzt. Es gibt keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Dauer der Durchgängigkeit oder der Sicherheitsaspekte wie Sepsis, Mortalität oder Blutungen.7 

Zusätzlich ist es empfehlenswert, Rückschlagventile (wie z.B. der bionector-tko) einzusetzen. Diese Ventile ermöglichen einen bidirektionalen Flüssigkeitsfluss und bleiben geschlossen, bis der Infusions- oder Entnahmedruck einen bestimmten Schwellenwert erreicht. Sobald der Druck abnimmt, schließt das Ventil wieder. 

Derzeit ist das Rückschlagventil (wie z.B. der bionector-tko) das einzige Produkt, das in allen Situationen verhindert, dass Blut in den Katheter gelangt. 

Katheterokklusion

Bei einer Okklusion des Katheters kann das Arzneimittel Urokinase verwendet werden, um die Durchgängigkeit wiederherzustellen.9

  • Bereiten Sie hierzu eine sterile Lösung vor, indem Sie 5000 IE Urokinase pro ml isotonischer Kochsalzlösung (in einer 10 ml-Spritze) verdünnen.9
  • Erzeugen Sie einen negativen Druck im Katheter, indem Sie mit einer 10 ml-Spritze ansaugen, und lassen Sie die zuvor verdünnte Urokinase durch Aspiration in den Katheter gelangen (nicht mehr als 5000 IE einführen).9
  • Lassen Sie die Urokinase für 30 Minuten einwirken und saugen Sie dann den Inhalt des Katheters ab.9
  • Dieser Vorgang kann nach einer Stunde einmal wiederholt werden.9
  • Konsultieren Sie vor der Durchführung dieses Verfahrens bitte einen Arzt.9

6. KATHETERWECHSEL

Zentralvenöse Katheter sollten nicht routinemäßig ausgetauscht werden. Dennoch ist es wichtig, lokale und systemische Anzeichen einer Infektion zu überwachen.

  • Die Haltbarkeit des Katheters hängt von einer korrekten Einführtechnik ab.3
  • Entfernen Sie jeden Katheter, der nicht unbedingt erforderlich ist.8
  • Wenn der Katheter unter eiligen Bedingungen und ohne die Möglichkeit einer aseptischen Technik eingeführt wurde, wird empfohlen, den Katheter innerhalb von 48 Stunden zu wechseln und einen neuen an einer anderen Stelle zu platzieren.8
  • Die ZVKs sollten gewechselt werden, wenn eine Eiterbildung im Einführungsbereich festgestellt wird.3
  • Führen Sie keinen Katheterwechsel mit einem Metallguide bei ZKVs durch, bei denen der Verdacht auf eine Katheter-assoziierte Infektion besteht.3

Quellen:


  1. Hull, G. J., Moureau, N. L., & Sengupta, S. (2018). Quantitative assessment of reflux in commercially available needle-free IV connectors. The Journal of Vascular Access. Published. https://doi.org/10.5301/jva.5000781
  2. Ball M, Singh A. Care Of A Central Line. In: StatPearls . Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK564398/
  3. Cayón, J. D., Iza Castanedo, V., Monje Álvarez, A., San Emeterio Pérez, C., Soler Dorda, G., Camus Burgueño, E., Fuentevilla Montes, R., Barquín Pomar, G., Martínez Ochoa, E., Moreno De La Hidalga, M. a. Á., Antolín Juárez, F., Gomez Cosío, L., Gomez Peral, P., Hernández Hernández, M. Á., Maestre Alonso, J. M., & Díaz Mendi, A. R. Guía para la inserción y mantenimiento de catéteres. https://www.scsalud.es/c/document_library/get_file?uuid=690873bd-bc46-4bc4-96db-a01818abc7ed&groupId=2162705
  4. Bacteriemia Zero. Protocolo prevención de las bacteriemias relacionadas con catéteres venosos centrales (brc) en las uci españolas (2015). Plan de Calidad para el Sistema Nacional de Salud. Ministerio de sanidad y consumo de España.  https://seguridaddelpaciente.es/resources/documentos/2015/PROTOCOLO_BACTERIEMIA_ZERO.pdf
  5. Goossens, G. A. (2015). Flushing and Locking of Venous Catheters: Available Evidence and Evidence Deficit. Nursing Research and Practice, 2015, 1–12. https://doi.org/10.1155/2015/985686
  6. Manual de protocolos y procedimientos generales de enfermería. Catéter venoso central: inserción, mantenimiento y retirada. (2010). Hospital Universitario Reina Sofía.https://www.sspa.juntadeandalucia.es/servicioandaluzdesalud/hrs3/fileadmin/user_upload/area_enfermeria/enfermeria/procedimientos/procedimientos_2012/h1_cateter_venoso_central.pdf
  7. Gómez Urquiza, J. L. (2021). ¿Es mejor el uso de suero salino o la heparinización en catéteres de vía venosa? Salusplay. https://www.ocez.net/archivos/noticia/1468-0.pdf
  8. Cuidados de Enfermería en los Accesos Vasculares Guía de Recomendaciones. Complejo Hospitalario Universitario de Badajoz.SE.
  9. PROTOCOLO DE CANALIZACIÓN, MANTENIMIENTO Y USO DE LA VÍA VENOSA CENTRAL DE ACCESO PERIFÉRICO (P.I.C.C.). https://www.chospab.es/publicaciones/protocolosEnfermeria/documentos/174984222e19f049e8476892f86be249.pdf

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